Gedanken zum 2. Fastensonntag
Abraham war gerade dabei seinen Sohn Isaac am Altar zu töten. Aber er hörte eine Stimme aus dem Himmel, nahm ein Lamm und tötete dieses stattdessen. Eine lange Geschichte der Veränderung der Kultur der Menschen wird mit diesen wenigen Zeilen erzählt. Vom Kult der menschlichen Opfergabe entwickelte sich die Menschlichkeit langsam weiter und ersetzte die menschliche Opfergabe mit der tierischen, die aber ebenfalls grausam ist! Lesen Sie Hosea 6/6; ich wünsche mir Mitgefühl und Gnade (unerschütterliche Liebe), keine Brandopfer. Sie sind eine Abscheulichkeit für mich, sie stinken! Jesus zitierte diese Stellen (Mt 12/7), als er über den Sabbat konfrontiert wurde (Überschriften und Rituale versus Heilung der Kranken).
Viele Menschen im Westen wenden sich dem Veganismus zu (reine Vegetarier, viele trinken auch keine Milch, da es eine Art Ausbeutung der Tiere darstellt). Überraschenderweise ist die höchste Prozentzahl an veganen Menschen in Israel zu finden.
Vallalaar, ein großer Weiser unserer Zeit, sang „vaadiya pairai kandapothellaam vaadinen“ (Ich verwelkte, als ich sah, wie die Pflanzen verwelkten). Thiruvalluvar war gegen jegliches Töten. Wir haben kein Recht dazu!
In einer vereinfachten Sprache kann man sagen: Seid mitfühlend!
Aber im selben Moment, in dem die Handlung des Mitgefühls bedingend wird, wird man nicht mehr mitfühlend sein. Die korruptesten Politiker*innen, die ihre Gesellschaft ausgebeutet haben, sind sehr gütig zu ihren Nahestehenden. Daher darf Mitgefühl nicht diktiert, verlangt oder bestimmt von jemand anderem sein, sondern es muss aus einem selbst fließen!
Bedingend ist, wenn man sehr freundlich zum eigenen Hund ist, aber Steine auf die Straßenhunde wirft. Bedingend ist, wenn man sehr liebenswürdig zu den Menschen der eigenen Kaste ist, aber alle anderen als potentielle Feinde behandelt. Liebt man die eigene linguistische Gruppe und Ethnizität, aber behandelt alle anderen als Bürger 2. oder 3. Klasse, so ist das keine Liebe. Wenn die Liebe bedingend, begrenzt, parteiisch ist, so hat man einen weiten Weg zu gehen!
Gott ist mitfühlend. Er lässt Regen auf die Guten und die Bösen schauern. Er strahlt Licht auf die Ehrenwerten und auch auf die Übelgesinnten. (Mt 5/43-48). Er hat es in der Hand, es regnen und die Sonne scheinen zu lassen! Will man die eigenen Augen schließen und in der Dunkelheit bleiben, so ist das die eigene Entscheidung, die Sonne wird aber immer weiter scheinen.
Macht euch keine Sorgen über die Reaktion des Anderen! „Wird er mein Friedensangebot annehmen? Wird er sich ändern? Wird sie mich annehmen?“. Erwartet man Veränderung im Anderen, wird man das Leben nie genießen können. Lass mich gut sein, mitfühlend sein, großzügig sein, lass mich lieben. Dies ist alles, was man machen kann und soll! Den Anderen zu ändern, ist nicht die Aufgabe.
„Du bist mein geliebter Sohn!“ So wurde Jesus vermutlich von einer inneren, klaren Stimme begeistert.
Die Schöpfung, das Universum, die Erde sind von Anfang an mit dieser Stimme erfüllt. „Du bist mein Geliebtes.“ Stellt euch darauf ein, dies zu hören. Hört es genau. Denn die Welt ist auch mit vielen anderen Stimmen und Geräuschen erfüllt.
„Du bist mein Geliebtes“ ist nicht ein weiteres Geräusch, dass ihr mit euren zwei Ohren hören werdet. Man kann es auch hören, wenn man sprachlos ist. Es ist eine innere Stimme, die so lebendig, offensichtlich und begeisternd ist. Ihr könnt fühlen, spüren, schlussfolgern; aus so vielen Vorfällen und Eingriffen in eurem Leben, dass ihr Geliebte seid!
Diese Stimme gehört dem Bedingungslosen, ohne Erwartung oder Forderung in jeglicher Hinsicht. Jesus hörte sie.
Aber, jeder ist frei die eigene Phantasie zu unterhalten und sich vorzustellen, dass die Stimme von jenseits der Wolken kam und sie auf Hebräisch, Griechisch, Malayalam, Aramäisch, Deutsch etc. gesprochen hat. Bibelgelehrte können sogar durch eine lange theologischen Untersuchung auf die exakten Dezibel dieser Stimme zurückkehren. Ich kümmere mich nicht um so etwas. Ähnlich ist es bei der Stimme, die aus dem Himmel zu Abraham sprach.
Für mich ist diese Stimme kein Geräusch, sondern eine Handlung. Handlungen der Liebe und des Mitgefühls.
Ruft euer Leben wieder ab. Ist man mit einer großen Schwierigkeit konfrontiert, unten auf der Erde auf dem Tiefpunkt, passiert plötzlich etwas oder jemand kommt zufälligerweise zur Rettung. Und oft schreibt man dies dem liebenden und sorgenden Eingreifen Gottes zu.
Ähnlich ist es, wenn ihr jemandem geholfen habt. Dann werden sie euch innig danken, aber ihr Leben lang werden sie sagen „Gott hat ihn/sie gesandt“. „Gott hat mir geholfen“.
Also, merkt euch, ihr trägt Gott in euch. Ihr seid seine Stimme. Ihr seid sein Ausdruck.
Daher ist es nicht nur wichtig die Stimme zu hören (Empfänger), sondern man ist auch selbst die Stimme! (Sender und Geber)
Lasst ihn/sie gehört werden!
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